Obstbaumschnitt

Baumschnitt bei älteren Bäumen

Gehölze haben zwischen Wurzel und Krone immer ein Gleichgewicht.
Das heißt: Der Baum hat über der Erde eine Krone, die der Wurzelmasse angepasst ist.
Wenn man das durch Baumschnitt z. B. einen Auslichtungsschnitt in der Krone ändert (die Wurzel kann man ja in der Regel nicht beschneiden) entsteht ein Ungleichgewicht.
Der Baum versucht das durch stärkeres Wachstum von Holzmassen im nächsten Jahr auszugleichen.
Diese Zweige und Ruten machen die Krone erneut dicht und müssen erneut ausgeschnitten werden.
Aber: geeignete Ruten muss man dabei ungeschnitten stehen lassen. Diese bilden dann bis zum nächsten Jahr (also dem 3. Jahr) das beste Fruchtholz.

Die Kunst besteht darin die geeigneten Ruten zu finden und nicht zu schneiden, um im Folgejahr gutes Fruchtholz zu haben.
Dazu muss man wissen, dass alle steil aufrecht wachsenden Zweige fast nur Holzknospen haben und damit wieder Holz produzieren.
Alle annähernd waagerecht wachsenden Triebe bilden Fruchtholz- und Fruchtknospen.

Praktisch geht das so:
– Im ersten Jahr wird der Baum ausgelichtet. Dabei können auch starke alte Äste gänzlich oder bis zu einer geeigneten Verzweigung weggeschnitten werden.
Es wird alles was zu dicht steht, was sich in der Krone überkreuzt, was zu hoch gewachsen ist und was das älteste Fruchtholz hat weggeschnitten.
Man kann die großen Schnittstellen mit Baumwachs verstreichen, muss aber nicht unbedingt.
– Im zweiten Jahr schneidet man alles zu viel gewachsene Holz weg. Es haben sich meist am Stamm neue junge Astansätze gebildet. Wenn man die nicht braucht um später einen großen Seitenast zu ersetzen, werden sie ganz weggeschnitten. Darüber hinaus haben sich an den im ersten Jahr stehen gebliebenen Seitenästen in der Regel Unmengen von neue Zweigen gebildet. Das sind sogenannte „Reiter“ .
Von diesen werden alle senkrecht oder nahezu senkrecht wachsenden Reiter abgeschnitten. Waagerecht wachsende oder leicht schräg aufstrebende Reiter lässt man in der Regel stehen. Sie bilden bis zum Folgejahr das neue Fruchtholz.
Dabei muss man beachten, dass man nicht zu viele seitlich wachsende Reiter stehen lässt und auch alles wegschneidet was sich überkreuzt oder sonst Licht im Inneren der Baumkrone wegnehmen würde.
Auf jeden Fall die stehen bleibenden Triebe nicht kürzen, sonst wächst auch hier im nächsten Jahr wieder neues Holz.
– Im dritten Jahr hat sich dann neues Fruchtholz an den stehen gebliebenen Zweigen entwickelt und es sind wieder große, qualitativ gute Früchte zu erwarten.

Merke: Nach der Prozedur des Auslichtens soll die Baumkrone so sein „dass man seinen Hut hindurch werfen kann“.                                                                                                        
Der Schnitt der Reiter muss auf Astring erfolgen, sodass keine Knospe mehr am
Ansatz übrig bleibt. Die würde sonst unweigerlich austreiben und Holz produzieren.   Die günstigste Zeit für den Baumschnitt ist der Spätwinter, aber nicht bei weniger als – 5°C. Ausgenommen davon sind Kirschen. Die sollte man gleich nach der Ernte schneiden.

Kleingartenkolonie „ Eintracht Orania“, 2. Auflage 2021
Gartenbauberater i.R. Dr. St. Schmidt