Spätwinter Obstbäume

Spätwinter im Kleingarten / Obstbäume

Wenn man nach langen Wintertagen die ersten schönen Stunden nutzt, um sich wieder einmal im Garten umzusehen, scheint die Natur noch im tiefen Winterschlaf zu liegen. Es fallen als erstes die Gehölze auf. Man schaut intensiver, nicht abgelenkt vom sommerlichen Grün, auf die Stämme,  Äste und Zweige. Was wir bei uns in den Gärten dabei entdecken sind unterschiedliche Färbungen der Rinde. Es gibt graue Auflagen mit teilweise ins gelbe gehende Farben und besonders bei Apfelbäumen rötliche Verfärbungen der Stämme.

Gelb-grau gefärbte Auflagen sind Flechten. Vor allem alte Obstgehölze und Obststräucher sind oft von einem dichten Flechtenrasen überzogen. Flechten können sehr alt werden, wachsen aber auch sehr langsam. Deshalb fallen sie uns erst besonderes an altem Holz auf. 

Flechten sind keine Schmarotzer. Sie sind eine Gemeinschaft aus Pilzen und Algen, die gemeinsam in einer Symbiose leben. Sie ernähren sich selbstständig und können deshalb auch auf Steinen, Mauern, Brettern usw. leben. Die Stämme und Äste unserer Obstgehölze dienen ihnen nur zum Halt. Andererseits sollte man sie auch nicht abkratzen, denn sie schützen die Baumrinde vor Schaderregern.

Flechten sind ein Anzeiger für sehr sauberere Luft. In Städten mit mehr trockener Luft, größerer Hitze und Feinstaubbelastung findet man keine Flechten. Insofern sind sie ein Anzeiger für das gute Klima in unserer Anlage. Überwiegend ist das Wetter bei uns von Westwinden geprägt und so kommt saubere Luft aus dem Umland zuerst in unsere Kleingartenanlage und dann erst in die Stadt.

Rote Rinde wird durch einen Algenbelag so farbig. Interessanterweise sind das Grünalgen, die aber rötlich schimmern und immer flächendeckend sind. Sie treten vor allem an Apfelbäumen auf und sind nicht schädlich. Sie sind ebenso wie Flechte ein Anzeiger guter Umweltbedingungen. 

Wichtige, an der Rinde der Obstbäume erkennbare Krankheiten sind folgende:

Rotpustelkrankheit

Man kann an der Rinde von Ästen und Zweigen an Obstbäumen orangefarbige Pusteln erkennen. Sie sind in etwa stecknadelkopfgroß. Der Pilz tritt vor allem an Totholz auf und zersetzt es. Insofern ist er in der Natur eigentlich nützlich. Er kann aber über frische Schnittstellen zum Beispiel auch  lebende Gehölze befallen und schädigt diese dann, indem er die Leitbahnen im Ast oder Zweig zerstört und diese dadurch zum Absterben bringt. Er tritt bei uns in der Gartenanlage gern an Johannisbeersträuchern auf. Die Schadstellen sollen großzügig ausgeschnitten werden. Die Reste im Hausmüll entsorgen.

Obstbaumkrebs

Obstbaumkrebs kommt vorrangig an Apfelbäumen vor. Am Stamm und an den Ästen entwickeln sich dabei dicke Wucherungen. Äste über der Wucherung sterben ab. Der Erreger ist ein Pilz, der ins Gewebe des Baumes über offene, unbehandelte Schnittstellen eindringen kann. Deshalb sollte man größere Schnittwunden vorsorglich immer mit Baumwachs verstreichen. Die Krebsstelle selbst muss großzügig ausgeschnitten werden.

Bakterienbrand

Bakterienbrand tritt hauptsächlich an Pflaumen-,Birnen- und Kirschbäumen auf. An der Rinde sind dunkle, eingesunkene Partien zu sehen. Später im Jahr sind dann auch Blätter und Früchte fleckig. Hier sollten ebenfalls befallene Stammpartien und Äste bis ins gesunde Holz zurückgeschnitten werden.

Schwarzer Rindenbrand

Neuerdings tritt bei Kernobst auch diese durch einen Pilz hervorgerufene Krankheit auf. Es werden Risse in der Rinde befallen, die durch zu geringe Widerstandskraft des Baumes entstehen können. Zum Beispiel Frostrisse oder im Sommer durch große Hitze und Trockenheit. In den meisten Fällen überwuchert der Baum diese Schadstellen in der Rinde selbst. Man sollt aber vorbeugend die Widerstandskraft des Baumes erhöhen, z.B. gießen in Trockenphasen oder Weißanstrich der Stämme im Winter.

Gartenbauberater i.R. Dr. St. Schmidt

Spätwinter im Kleingarten